Zum heutigen kirchlichen "Welttag des Migranten und Flüchtlings" setzt sich Dr. Oliver Müller, Vorstand für Internationales, Migration und Katastrophenhilfe des Deutschen Caritasverbands, angesichts der laufenden Haushaltsverhandlungen für eine verlässliche Finanzierung der Bundesprogramme zur Integration von Zugewanderten ein: "Wer bei der Migrationsberatung spart, legt Integration Steine in den Weg und riskiert langfristig höhere gesellschaftliche Kosten." Am 28. September startet die bundesweite "Aktionswoche Migrationsberatung" der Freien Wohlfahrt.
"Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, Integration zu stärken. Daran muss sie sich aktuell auch bei der Aufstellung des Haushalts messen lassen. Die Bundesprogramme im Migrationsbereich sind ein zentraler Baustein einer erfolgreichen Integrationspolitik und eine notwendige Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt", so Müller. Wie wichtig und wirksam sie sind, wissen die Berater*innen vor Ort aus ihrer täglichen Arbeit. Sie tragen wesentlich dazu bei, dass staatliche Verfahren funktionieren, Integration gelingt und gutes Zusammenleben möglich ist. Allein im Jahr 2025 wurden von den Trägerverbänden der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte bundesweit rund 430.000 Ratsuchende und ihre Angehörigen unterstützt.
"Menschen, die neu nach Deutschland kommen, müssen sich in einem für sie zunächst fremden System zurechtfinden. Erhalten sie früh Klarheit über ihre Situation und Unterstützung bei der Integration, profitieren davon nicht nur sie selbst. Gute Beratung entlastet Kommunen, Behörden und Gerichte und trägt ganz konkret dazu bei, dass Zusammenleben vor Ort funktioniert."
Die aktuell vorgesehenen Kürzungen würden dazu führen, dass von derzeit 210 Beratungsstandorten in der Asylverfahrensberatung nur 40 erhalten blieben - ein Kahlschlag, der Asylverfahren erheblich verzögern könnte. Auch bei der Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte droht eine Kürzung der Mittel. Ein Lichtblick sei, dass die Bedeutung der psychosozialen Betreuung und Behandlung von Geflüchteten zunehmend erkannt werde und eine Kürzung in diesem Bereich nicht angedacht ist, auch wenn die zur Verfügung stehenden Mittel bei Weitem nicht den Bedarf decken.
"Am Ende ist die Rechnung eindeutig. Wer bei Beratung und Integration kürzt, spart vielleicht kurzfristig im Bundeshaushalt, produziert aber langfristig höhere Kosten. Integrationsprozesse werden langsamer, staatliche Strukturen stärker belastet und der gesellschaftliche Zusammenhalt geschwächt. Das stärkt am Ende nur jene, die aus Polarisierung politisches Kapital schlagen wollen. Das kann nicht in unserem Interesse sein", unterstreicht Müller.
Hintergrund
Vom 28. September bis zum 02. Oktober findet die gemeinsame, bundesweite Aktionswoche der Freien Wohlfahrtsverbände für die Bundesprogramme Asylverfahrensberatung (AVB), Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte (MBE), Jugendmigrationsdienste (JMD) und die Psychosozialen Zentren (PSZ) statt. In vielen Städten und Landkreisen bundesweit öffnen Beratungsstellen ihre Türen, laden zu Gesprächen, Veranstaltungen oder Podiumsdiskussionen ein und machen ihre Arbeit und den Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichtbar.